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Guten Tag!
Seit Mittwoch bin ich nun schullos und habe es (bisher) ziemlich genossen, wenn ich auch nicht damit zufrieden bin, nie mehr in diese Schule gehen zu koennen.
Am letzten Tag hatten meine Geschichtsklasse und spaeter auch meine Freunde beschlossen, Pizza zu bestellen um ein wenig zu feiern. Ein wenig ploetzlich kam dann, dass uns (nach einer Stunde Englisch, d.h. in der Buecherei lesen, und einer grossen Pause, denn am Mittwoch haben wir die erste Stunde frei) in der dritten Stunde erzaehlt wurde, wir koennten jetzt nach hause gehen. Zumindest den Elfern und Zwoelfern wurde das erzaehlt. Den Dreizehnern wurde offiziell der Titel „Schueler“ entzogen, sodass sie gar nicht mehr auf dem Schulgelaende sein durften. Nach einer Weile sind wir dann tatsaechlich zur Aotea Lagoon die Strasse hinunter verschwunden und haben die geplante Pizza bestellt. Dort geblieben sind wir bis irgendwann in der Mittagspause und ich bin fuer die letzte Stunde Geschichte wieder zurueck gegangen um noch einmal Pizza zu bekommen. Praktisch. Und leicht traurig, all diesen netten Menschen Tschuess zu sagen, wenn auch bei manchen nur bis irgendwann in den Ferien.
Abends war die Award-Verleihung, die mir ziemlih gefallen hat, auch wenn sie fuer manche wahrscheinlich langweilig war. Ausser zwei Menschen haben uebrigens alle Abschlusskandidaten Excellence in mindestens einem Fach, was ich schon recht erstaunlich finde. Top Scholar wurde jemand, der nur die drei Naturwissenschaften und die zwei angebotenen Arten von Mathe gewaehlt hatte. Er ist recht bekannt. Zumindest wird ihn jeder Oberstuefler kennen, wenn man ihn nach Geoffrey fragt, und sagen Ist das nicht das Genie?
Soeben habe ich durch eine Mail an meine Gastmutter mein Flugticket zurueck bekommen und weiss jetzt, dass ich am Samstag, den 31. Januar um 14:35 am Duesseldorfer Flughafen ankommen werde. Am Montag faengt dann das neue Schulhalbjahr an…
Es ist Viertel nach Sieben, meine Gastmutter gewinnt gegen meinen Gastbruder beim Schach und ich werde wohl noch einmal eine Stunde nach draussen und die Abendsonne geniessen gehen. Ich kann nicht glauben, dass November sein soll. Der einzige todsichere Beweis, dass es aufs Jahresende zugeht, ist der riesige geschmueckte Tannenbaum, der seit Ende Oktober in der Porirua Mall steht. Troestet euch also, die Neuseelaender machen das genauso!
Bis dann!
Lina
Ahoy!
Die Schule hat mich wieder, seit zwei Wochen und eigentlich auch nur noch fuer zwei Wochen. Ja, das stimmt. Ich habe nur noch zwei Wochen Schule. Dank der NCEA Exams (die ich nicht mitschreibe weil teuer und sinnlos) der Oberstufe ist der vierte Term des Jahres extrem verkuerzt: Vier Wochen Schule, dann zwei Wochen Examen, dann Ferien. Was ich in den fuer mich sechs zusaetzlichen Ferienwochen mache, weiss ich nicht – und zwar so gar nicht. Nachdem der Stress fuer die Schulabgaenger vorbei ist, treffe ich mich mit ein paar von ihnen, denke ich mal. Den Rest muss ich mir irgendwie verschoenern, zumal das Fahrrad, das ich su muehsam aufgepaeppelt habe, letztendlich doch nicht fahrbar ist.
Dementsprechend bin ich leicht melancholisch gestimmt. Ich werde das Aotea College samt Inhalt vermissen, trotz der vielen nervigen Dinge.
Sonst laeuft alles seinen geregelten Gang, gerade haben wir in Mathe ein neues und erstaunlich einfaches Thema angefangen, in Kunst unterhalte ich mich groesstenteils mit Ann, die gleichzeitig Fotographie hat, ueber unterschiedliche Kulturen, Economics finde ich immer faszinierender waehrend ich immer weniger verstehe und letztes Wochenende war ich in Lower Hutt und geschockt, wie… platt es dort ist. Und die Haeuser haben kein Obergeschoss und erinnern mich daran, wie ich mir immer die Haeuser in Tom Sawyer vorgestellt habe. Passenderweise habe ich mir dann auch dort von einer Freundin meiner Gastmutter Life on the Mississipi von Mark Twain ausgeliehen.
Gestern habe ich zum ersten Mal die beliebteste Schokoladenmarke hier ausprobiert und mochte sie ueberraschenderweise sehr gerne, obwohl es Vollmilch war. Ich weiss nicht, ob Cadbury die beste Schokolade der Welt macht wie Vanessa behauptet (dafuer scheint mir da zuwenig Kakao drin zu sein), aber ich bin mir ziemlich sicher, dass sie zumindest die beste Schokoladenwerbung der Welt haben. Sie hat erstaunlich wenig mit Schokolade zu tun, es gibt sie schon seit ueber einem Jahr, sie laeuft immer noch im Fernsehen, und sie wird Arno bestimmt freuen:
In dem Sinne
oder in irgendeinem anderen
Lina
Guten Tag.
Nein, das tut sie nicht wirklich. Zumindest denke ich das. Nur war das ein beliebter Spruch den ich den Zwoelftklaesslern auf ihr Uniformshemd geschrieben habe. Der letzte Tag vor den Termferien war naemlich auch der letzte Tag, an dem sie ihre Uniform tragen mussten und so kamen ein paar auf die Idee, Unterschriften auf ihnen zu sammeln. Deutsch und Finnisch, die Sprachen der Austauschschueler, die ich so kenne, waren natuerlich sehr beliebt.
So, es sind also Ferien, schon deren zweite und letzte Woche und ich habe bisher Einiges getan, u.A. das Inlet umrundet, was immern auf so 10 km Umfang kommt und ein weiteres Naturreservat besucht, dass erheblich weiter entfernt ist, dafuer einen recht spannenden Hinweg hat (Es gibt nur eine einzige Strasse und die fuehrt ueber KIlometer auf und an steilen Bergwaenden entlang. Wenn ein Unfall passiert, denn dort ist es haeufig sehr neblig, faehrt man einen stundenlangen Umweg oder wartet stundenlang im Stau.. Nimmt sich nicht viel) und ungefaehr dieselbe Flora und Fauna bietet, nur besser und zahlreicher. Ich werde sehen, dass ich bald Fotos auftreibe.
Und was waere ein besserer Zeitpunkt als die Ferien, um mal ein wenig ins Detail zu gehen und meinen normalen Schulalltag hier zu beschreiben? — Das ist uebrigens eine rhetorische Frage. Danke.
Erstaunlicherweise quaele ich mich jeden Morgen richtig, um aus dem Bett zu kommen, obwohl das hier spaeter ist als zuhause. Um etwa 7 Uhr oder auch mal 7:30 stehe ich auf und schalte prompt meinen Heizstrahler aus, denn von da an bin ich fuer den Rest des Tages kaum noch in meinem Zimmer. Ich dusche oder auch nicht, wobei ich bei Ersterem nach dem Anschalten drei bis fuenf Minuten warten muss bis die Temperatur ertragbar ist. Ausserdem bin ich die Einzige im Haus, die einen Haartrockner benutzt. Wenn ich nach einer Weile von meinem Zimmer direkt neben der Garage die Treppe in den restlichen Wohnbereich hinaufgehe, sind Jeremy und Adele, meine Gastmutter, meist schon in der Kueche und beim Essen. Wenn nicht und wenn ich Hunger auf Porridge zum Fruehstueck habe, was fast jeden Tag so ist, frage ich beide, ob sie auch etwas haben wollen. Meistens heisst die Antwort Nein. Irgendwann und eigentlich viel zu spaet, d.h. so um fuenf nach 8, kommt dann auch Eleanor und zeigt sich jedes Mal begeistert, dass wir ihr die Aufgabe ueberlassen haben, das Licht im Aquarium anzuschalten und die Fische zu fuettern. Es kommt nicht selten vor, dass sie solange vorm Aquarium sitzt, bis wir so um Viertel nach Acht zum Aufbruch blasen und kein Fruehstueck ist.
Spaetestens um Zwanzig nach sitzen wir alle im Auto und Adele faehrt Eleanor und mich den halben Weg zur Schule. Wenn es stark regnet und sie gnaedig ist auch ein bisschen weiter. Dann faehrt sie zurueck, setzt Jeremy an seiner Schule ab, ueberquert die Kreuzung und steigt um Halb Neun in den Zug nach Wellington zur Arbeit. Eleanor und ich kommen ziemlich genau zu Schulbeginn an, der da ist um 8:45. Ich habe zum Beispiel am Montag nach den Ferien als erste Stunde (und Stunde heisst hier wirklich Stunde) Mathe, wo ich versuche, nicht einzuschlafen und gleichzeitig alle Aufgaben im Buch schnell genug zu erledigen und zu korrigieren, damit der Lehrer nicht auf die Idee kommt, mir irgendetwas erklaeren zu wollen. Das tut er naemlich gerne, auch wenn ich es richtig gemacht habe. Die Tatsache, dass ich Mathe in der ersten Stunde habe, heisst ausserdem, dass bequemerweise Englisch das Fach ist, das es an diesem Tag nicht gibt. Wie schon einmal erwaehnt: Es gibt sechs Faecher, fuenf Stunden jeden Tag und alles rueckt taeglich eine Stunde nach hinten.
Nach zwei Stunden gibt es das Interval, das ungefaehr eine halbe Stunde dauert, und nach der vierten die Lunch time. In beiden Pausen treffe ich mich mit anderen in einem der Kunstraeume und esse und quatsche. Nach Lunch time haben wir ausserdem zwanzig Minuten Form class bevor die naechste Stunde anfaengt. Wir sollten dann eigentlich irgendwelche wichtigen Ereignisse besprechen, aber die gibt es so gut wie nie, also nutzt die gesamte Klasse einfach die Vielzahl an PCs. Drei besondere davon werden immer gleich zu Anfang belegt, weil auf ihnen Ego-Shooter installiert sind.
Nach Ende der letzten Stunde beeile ich mich, wie fast die gesamte Schule, so bald wie moeglich zur Schulbushaltestelle zu kommen und noch einen Sitzplatz zu finden. Die Schule endet um 3:20, um kurz nach Halb bin ich zuhause und suche mir eine Banane oder ein Kaesesandwich um meinen Magen ein wenig zu fuellen. Meine Lunchbox ist naemlich schon nach dem Interval leer. Um 4 oder manchmal auch um 6 kommt meine Gastmutter nach hause. In der Zwischenzeit lassen wir Frodo herein, lese ich, spiele Karten oder sehe mit meinen Gastgeschwistern fern. Wenn Adele da ist, tun wir so ziemlich dasselbe, nur ist dann noch eine Person in der Kueche da, die eifrig fuer den Tea ,oder meinetwegen auch Dinner genannt, werkelt.
Nachdem wir gegessen habe, gehe ich nach unten in mein Zimmer, mache die Heizung gemeinsam mit meinem elctric blanket wieder an und renne schnell wieder nach oben, zurueck in die Waerme. Gemeinsam sehen wir die Nachrichten und trinken Kakao, der hier nur nach der Marke Milo genannt wird. Wir erzaehlen uns gegenseitig, wie unsere Tage so waren, was uns Lustiges in den Werbespots auffaellt und noch irgendetwas, bis wir dann alle muede werden, meist so um halb Zehn, und den gerade noch gemuetlich im Kissen schnurrenden Kater in die Kaelte hinausschmeissen. Wenn ich dann ins Bett gehe, ist mein Zimmer einigermassen angenehm, ist es unter der Bettdecke warm, schreibe ich vielleicht noch eine Postkarte und schlafe immer recht schnell ein, um dann am naechsten Morgen trotzdem wieder muede zu sein.
War das etwa langweilig? (:
Lina
Ahoy dort draussen!
Gestern war ich in Wellington dem Hockeyspiel meines Gastbruders zusehen, Lunch bei einer Freundin der Familie essen, einen zweistuendigen Spaziergang nahe Wellington entlang des Meeres und beeindruckender Huegel machen und zwei Ersatzfische kaufen. Nach einem vollen Tag kaum zuhause angekommen, ging es auch schon weiter, zum Schulball.
Und gestern habe ich zum ersten Mal wirklich heftig gemerkt, dass ich etwas vermisse, nur ist es kein Heimweh, eher Deutschweh. So habe ich wahrend des Schulballs (oder auch Formal) am Tisch zwischen Freunden gesessen, den amuesanten Ausfuehrungen der Schuelerin gelauscht, die das alles organisiert hatte, und geglaubt, jeden Augenblick muessten die Menschen um mich herum anfangen, Deutsch zu reden. Das Ganze war so bekannt und normal, dass ich einfach mit Deutsch gerechnet und gehofft habe, dass ich ich endlich einmal alles verstehe, selbst das Gemurmel am Nebentisch. Stattdessen muss ich mich immer noch auf alles konzentrieren, wenn auch weniger als vorher.
Gestern war also dieser Formal, auf den sich alle Maedchen stundenlang vorbereitet hatten, was mir immer noch etwas sinnlos vorkommt.
Einige (auf dem Foto nicht so gut getroffene) Exemplare duerft ihr hier bewundern, wobei ich die rechts mit den ungemachten Haaren (kein Friseurbesuch vorher mehr moeglich) bin, was ihr aber unschwer erkennenduerftet:
Ein wenig verloren fuehlt man sich schon zwischen Menschen, die sich seit fuenf oder vier Jahren kennen und eine andere Sprache sprechen, aber insgesamt war das Ganze recht nett, vor allem wegen des vorzueglichen Essens (da in Vier-Sterne-Hotel). Danach ging es in anderem und wesentlich bequemeren Outfit noch zur After-Party eines Klassenkameraden, wo ich dann aus Langeweile mir von jemandem habe Boxen beibringen lassen und um etwa 4 Uhr per Taxi verschwunden bin. Beschwerden ob meines Lebensstils (hoehoe) bitte an eine andere Adresse.
Die Woche davor war kaum der Rede wert, obwohl natuerlich gut wie immer. Naechste Woche darf ich ohne Katharinas Unterstuetzung zur Schule gehen, denn ihre Gastfamilie hat sich spontan dazu entschlossen, eine Woche zu frueh in den Urlaub zu fahren. Und uebernaechste Woche, ja dann, dann sind Ferien! …wenn auch nur zwei Wochen.
Erklaerung abgeschlossen, man sieht sich!
Lina
Guten Morgen, Deutschland (und Italien)!
Das Wetter hier scheint wieder recht stabil, vormittags scheint meistens die Sonne und nachmittags wird es etwas dunkler und grauer.
Heute durften meine Gastfamilie und ich uns ueber einen neunkoepfigen Familienzuwachs freuen. Nach langer Zeit der Vorbereitung und freudigen Erwartung seitens Eleanor, besitzen wir nun einen Neon Dwarf Gourami namens Mitsufishi, sechs Glowlight Tetras ohne einzelne Namen, nur mit der Gruppenbezeichnung The Eagles, und zwei Platies (Gold Wag und Red Wag), die ich mir aussuchen und auch benennen durfte, namens Thomas und Jonathan. An dem Hintergrundbild fuer das Aquarium habe ich die letzten zwei Wochen im Kunstunterricht gesessen.
Wir sind dementsprechend alle sehr stolz auf uns und einander und scheinen bisher -ganz im Gegensatz zu Frodo, der den Fischen die kalte Schulter zeigt- ein immenses Vergnuegen daran zu entwickeln, vor dem Aquarium zu sitzen und ihnen zuzusehen.
Auf dem Weg nach Wellington, zum grossen Pet Store, ist mir einmal mehr aufgefallen, dass ich einfach einmal zwischendurch aus dem Auto aussteigen und die faszinierende Huegellandschaft fotografieren sollte, sobald sich ein gutes Motiv ergibt. Nah am Wasser oder direkt auf der einen grossen Autobahn zu sein, ist hier die einzige Moeglichkeit, nicht schief zu stehen. Und direkt neben diesen Ebenen ragt es gleich gruen (und mitunter wollweiss gesprenkelt) hoch…
Aber das meiste an Landschaft ist hier Privatbesitz und, wenn man nicht gerade in der Wohngegend ist, ist es verboten, die Huegel ungebeten zu betreten.
Anderes Thema: Meine Englischlehrerin hat es sich in den Kopf gesetzt, mich so viel wie moeglich an der Arbeit der Klasse, d.h. an den Abschlussarbeiten, teilhaben zu lassen, was mir Pflichtlektuere wie Lord of the flies und Children of men und mehrere Essays ueber Themen wie ‘New Zealand society and Maori culture today’ einbringt, und mich noetigt, mich bei allen anderen freiwilligen Lektueren mit dem Thema ‘Outsider’ -ebenfalls schriftlich- auseinanderzusetzen. Und das alles, damit mir am Ende die Bestaetigung meiner Leistung nichts bringt. …Immerhin freut sie sich, dass ich Jane Austen lese.
Ausserdem moechte ich in diesem Eintrag auch noch Anna-Lena erwaehnen, auf ihren Wunsch hin. Aber das habe ich ja eigentlich schon im Titel getan… perfekt!
So long!
Lina
…war nicht das, was ich erwartet hatte, aber doch recht gelungen.
Angefangen hat mein Ausflug mit stundenlangem Warten vor der Schule und stundenlangem Fahren im Van mit einigen Stops in irgendwelchen Kleinstaedten (solche, die praktisch nur aus aneinandergereihten Haeusern an einer grossen Strasse bestehen) auf dem Weg – alle in Besitz einer Tankstelle und einer Burgerking- und einer KFC-Filiale. Sehr viel Geographie haben wir nicht mitbekommen, aber bis wir zum ersten Mal einen schneebedeckten Gipfel am Horizont sahen war das Wetter schoen und die Schafe auf Unmengen von gruenen, kleinen aber steilen Huegeln am Rand der Strasse zahlreich.
Unsere Huetten waren wirklich spartanisch, wie angekuendigt, aber einige Mitreisende waren trotzdem ob der tatsaechlichen Lage ueberrascht. Und mir war es recht egal, denn der Heizstrahler brauchte nicht lange und wir waren sowieso fast nur zum Schlafen dort. Am Abend fuhr die ganze Bagage noch zu einem „Hot Pool“ in der Naehe, der nicht natuerlich, aber ziemlich (ent)spannend war. Bis wir dort ankamen, irrte unser Van noch eine Viertelstunde lang in der (wirklich nicht sehr ergiebigen, aber immerhin stockdunklen) Umgebung herum, weil Mr Huston absolut keine Ahnung hatte, wohin wir mussten, das aber erst nach etwa zehn Minuten bemerkte.
Am folgenden Tag stiegen wir um auf Plan B, weil der Berg geschlossen war, und besuchten eine Kletterwand und ein Schwimmbad. Abends dann Kino mit freier Filmwahl, wobei alle bis auf zwei den neuen Batman-Film (The Dark Knight) sahen, der uebrigens wirklich gut ist, sofern ich das beurteilen kann. Aber da alle moeglichen Kritiker (u.A. im neuseelaendischen Fernsehen) dasselbe sagen, bin ich mir einfach mal sicher.
Donnerstag -Oh Wunder- war der Berg schon wieder geschlossen und die zaghafte Ueberlegung, ob man nicht wenigstens zum Fuss fahren und ein wenig Schnee sehen koennte, wurde durch die Blizzard-Warnung und den sowieso am Parkplatz nicht vorhandenen Schnee schnell ad acta gelegt. Also beschloss man, nach Rotorua zu fahren, was mich als Tourist selbstverstaendlich freute. Das Heim der heissen Quellen. Dort fuhren wir bei seltsamerweise sehr ahnsehnlichem Wetter (die Tage davor hatte es ohne Unterbrechung geregnet) auf sogenannten Luges, einer Art lenkbaren Rodelschlitten fuer den Sommer, einen Berg oder eher grossen Huegel hinunter. Laut eines Schildes immerhin die erste Installation dieser Art auf der Welt… Und spaeter besuchten wir in Rotorua ein wirkliches Thermalbad (Polynesian Spa) mit Schwefeldaempfen und allem Drum und Dran und liessen den Abend mit Gesellschaftsspielen in geselliger Runde und im Gemeinschaftsraum ausklingen.
Der naechste Tag war durch die Rueckfahrt bestimmt, mit recht langer Pause am Gravity Canyon. Dort haette ich eigentlich die Moeglichkeit gehabt, einmal Bungee Jumping auszuprobieren, aber auch hier war durch das schlechte Wetter (und den dadurch zu stark angeschwollenen Fluss unten im Canyon) das nicht moeglich. Ich haette eine Art riesige Schaukel benutzen koennen, aber dann wollte ich doch kein Geld ausgeben.
So gesamt betrachtet bin ich also zu einem Ski-Ausflug aufgebrochen, ohne Ski zu fahren (solch einen Sturm, von dem wir selbst ja nicht einmal wirklich etwas mitbekommen haben, haette niemand vorraussehen koennen), aber habe wirklich nette Menschen aus meiner Stufe kennen gelernt, vor allem durch das Spielen von Backgammon und -auf der Rueckfahrt im Van mit einem Snowboard als Tisch- einem Kartenspiel mit dem netten Namen The President and the A***ole.
Solche Ausfluege sind wie geschaffen dafuer, irgendwen kennen zu lernen, weil man immer auf irgendeine Art und Weise mit irgendjemandem zufaellig zusammengepfercht wird. Glaube ich.
Also… I’m looking forward to going back to school tomorrow.
Lina
So, da bin ich wieder einmal!
Wenn auch nicht gerade lang und ausgiebig (Kann man ausgiebig da sein?), aber ich werde mein Bestes geben… wie immer meistens haeufig.
Morgen frueh, puenktlich zum regulaeren Unterrichtsbeginn (8:45), werde ich vor dem College in einen Van steigen und dort vorraussichtlich fuer die naechsten sechs Stunden bleiben. Die Schule hat naemlich vor, 70 Schueler in einem Reisebus und zahlreichen Vans unterzubringen, was doch in gewisser Weise sehr kreativ ist. Katharina und ich wurden schon im Voraus in den Van Mr. Hustons, des Deputy Principals, eingeladen, weil er uns ueber die verschiedenen Gegenden aufklaeren moechte, durch die wir fahren.
Ja, das klingt nicht nach kleinen Spielen, Lesen, Musik hoeren oder schlafen waehrend der Fahrt, aber wenigstens mit Essen hat er kein Problem. Das tut er auch sehr gerne vor uns. Sein Yogurt ist bei Personal und Schuelerschaft schon beruehmt-beruechtigt.
Den „schwersten Sturm Neuseelands seit etlichen Jahren“ haben wir ueberstanden ohne wirklich betroffen gewesen zu sein. Heute war -mal wieder- herrliches Wetter und es sollte schoener neuer Schnee liegen, aber nachdem, was ich so verstande habe, vermuten Wetterexperten einen noch viel heftigeren Sturm in den naechsten Tagen, obwohl sich das zugehoerige Tief noch nicht einmal gebildet hat. Wie dem auch sei… es wird sicher spassig.
Vorraussichtlich bis zum Wochenende. Wenn nicht, sind wir entweder stecken geblieben, liege ich im Krankenhaus, habe ich den Schlbus nach hause am Freitag verpasst oder bin ich einfach zu faul.
Lina
Tadaaa!
Guten Morgen. Und wieder habe ich die Sonne aufgehen sehen, bevor ihr das tun konntet.
Heute wurden -wie anscheinend staendig- meine Gastschwester und ich nach der Haelfte der Strecke zur Schule aus dem Auto geschubst und durften einige Huegel ueberwinden, bevor wir mit tauben Haenden und Gesichtern in die Waerme und Windgeschuetztheit der Schule durften. Es windete. Sehr stark. Und damit meine ich sehr sehr stark. Aber zurueck zu meiner Schule, bei der wir ja eigentlich schon angekommen sind:
Ich habe sechs Faecher und fuenf Stunden pro Tag. Das Ganze laeuft nach einem 6-Tage-Rhythmus und jedes Fach wird am naechsten Tag in der darauffolgenden Stunde unterrichtet. Recht einfach, wenn man es sich ueberlegt. Auch wenn ihr das jetzt natuerlich nicht unbedingt verstehen muesst. Heute hatten wir uebrigens Tag 1.
Meine Faecher sind EUE 3 (English for University Entrance, Level 3), MAC 3 (Mathematics Calculus, Level 3), HIS 2 (History, Level 2 usw.), ECO 3 (Economics), ART 3 (erklaert sich wohl von selbst) und MES 2 (Media Studies).
Letzteres ist ziemlich spassig. Fuer diesen Term (noch neun Wochen) muessen wir in Gruppen zu 2 oder 3 Leuten ein Musikvideo planen und schliesslich auch drehen. Wobei wir wirklich alles Moegliche wie Lied, Thema, Beleuchtung, Filter, Schnitte festgesetzt haben muessen, bevor uns unsere Lehrerin eine der teuren Kameras in die Hand drueckt. Spassig, ja, aber auch ziemlich anstrengend.
In EUE geht es vornehmlich darum, Essays zu verschiedenen Themen zu schreiben, in Mathe machen wir Dinge, die wir noch nie gehabt haben und vom Vokabular her auch nicht wirklich nachvollziehen koennen (mein Albtraum! …aber es geht), in Geschichte und Economics gerade nichts weil mitten in Gruppenarbeit und in Kunst auch nicht wirklich etwas, weil alle Schueler Verschiedenes tun, dass dann spaeter irgendwie benotet wird. Und da ich nicht benotet werde oder nicht darauf hinarbeite, sitze ich herum, zeichne irgendetwas und werde wohl frueher oder spaeter die beeindruckenden Moeglichkeiten der Ausstattung des Kunstraumes nutzen. So… aus Spass.
Obwohl uns gegenueber schon mehrmals betont wurde, dass die Schule kein Geld habe, dass soviel der Erneuerung beduerfe, ist sie doch gegenueber dem Standard, den ich gewohnt bin, sehr gut ausgestattet. In wirklich jedem Raum, selbst im -wie gesagt, ueppig ausgestatteten- Kunstraum, in dem ich mit anderen gerne meine (Ess-)Pausen verbringe, sind mindestens fuenf Computer mit Internetzugang installiert. Es gibt eine Buecherei, in der ich unterrichtsbedingt auch haeufig bin, alle moeglichen Fachraeume, ein grosses Gebaeude nur fuer das Sekretariat und das ziemlich gemuetliche Lehrerzimmer (mit zwei riesigen Bildschirmen fuer Konferenzen) und jeder Klassenraum hat neben den obligatorischen PCs eine (saubere!) Leinwand und einen fest installierten Beamer. In Raeumen wie dem MES-Raum, in denen nicht viel Platz ist, liegen Notebooks.
Die einzigen Dinge, die ich bemaengeln koennte, sind die fehlende Sauberkeit in den Gaengen, die aber durch Schueler jeden Morgen erneut hervorgerufen wird, und… die viel zu kleinen Stuehle, die meist auch noch aus Plastik und unbequem sind.
Zur Zeit ist niemand ausser mir und dem Kater Frodo zuhause. Und ich denke, ich ueberlasse euch dann auch so langsam eurem Schicksal.
Am Wochenende geht’s einmal wieder nach Wellington und von Dienstag bis Freitag bin ich mit meiner Stufe am Kratersee Taupo Ski fahren… Die Hauptinformation aller beteiligten Lehrer war: Es wird kalt! …Aber das bin ich ja gewoehnt, nicht wahr?
Lina
Guten Tag, die Damen und Herren,
heute war -wie nicht kompliziert zu errechnen- mein erster Schultag. Auch wenn es nicht mein erster Unterrichtstag war, denn auf Unterricht muss ich wohl noch ein wenig warten, durfte ich immerhin schon das bzw. die Schulgebaeude bewundern. Irgendwie haesslich, eckig und dreckig; aber herrlich anzuschauen bei 5 Grad, strahlendem Sonnenschein und einem atemberaubenden Blick auf die Huegel, die Bucht und weiter hinten das Meer.
Im Office und bei voelliger Ratlosigkeit liefen mir dann vier andere deutsche Schueler ueber den Weg, mit denen ich auch den gesamten Schultag verbringen sollte. Sophie, Marian, Katharina und Tim, Alter von 14 bis 17 in dieser Reihenfolge, was ich doch ueberraschend finde. Wie kommt die -wenn auch nicht gerade zartbesaitete- 14-jaehrige Sophie dazu, fuer ein halbes Jahr nach Neuseeland zu gehen? So ganz konnte sie mir das auch nicht beantworten…
Ein anfangs sehr netter. spaeter etwas ungeduldiger und durchgehend undeutlich sprechender stellv. Direktor begruesste und informierte uns und teilte uns ein. Zwischendurch verschwand er fuer zwei Stunden, die eigentlich nur fuenf Minuten sein sollten, und liess uns in der schuleigenen Buecherei so lange allein, bis sich eine Dame unser erbarmte und uns Vokabeltests vorlegte, die verschiedene Wortschaetze, von 2000 bis zu 10000 Woertern, umspannten und dementsprechend rasant im Niveau anstiegen. Von „horse“ bis zu „saliva“. Und weiter.
Nach der Mittagspause, die die andere 16-Jaehrige und ich im Kunstraum beim emsigen Schlemmen mit fremden aber hoechst freundlichen Personen verbrachten, die Tage zuvor eine andere Deutsche verabschiedet hatten, ging es mit einem Test unseres schriftlichen Koennens weiter. Der nette stellvertretende Direktor gesellte sich erst fuenf Minuten vor Schulschluss zu uns, was dazu fuehrte, dass ich die Fehler, die er in meinem Stundenplan gemacht hat, leider erst morgen mit seiner Hilfe ausbuegeln muss.
Keine Ahnung, was ich morgen eigentlich tun soll, aber … bis dann!
Lina

