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…muss die Freiheit wohl grenzenlos sein.

Ganz soweit bin ich noch nicht. Dafuer aber bald. Soll heissen, um 20:30 geht der Flug nach Auckland, wo ich dann so eine Stunde Zeit habe und wahrscheinlich mal wieder herausfinden muss, ob ich jetzt das Gepaeck abhole und wieder aufgebe oder nicht.

„Das Gepaeck“ ist dieses Mal fast doppelt so gross und fast doppelt so schwer. Ich habe wirklich keine Ahnung, wie das zustande gekommen ist. Viele meiner aelteren Tops usw. habe ich schon meiner Gastschwester hinterlassen.

So… das Parachute Festival war grossartig und ich trage das knallpinke, glitzernde Armbaendchen noch mit Stolz. Gestern hatten wir ein BBQ und zwei meiner Freundinnen vom Aotea College sind gekommen. Ein sehr netter, unzureichender Abschluss. Es gibt wohl keine „zureichenden“ Abschluss.

Wahrscheinlich waere es jetzt an der Zeit, ueber meinen Aufenthalt mit seinen Hoehen und (nicht vorhandenen) Tiefen zu philosophieren und irgendein Fazit zu finden, aber dafuer habe ich gerade nicht die noetige Ruhe. Das muss warten, bis ich zuhause bin und Neuseeland schon unfassbar weit weg ist, physisch und psychisch.

Wie schon Ohelia angekuendigt wird’s dann auch eine „Impressionen“-Reihe mit moeglichst kuenstlerischen und moeglichst informativen Fotos geben.

Also, noch ist nicht alles vorbei! Schaltet wieder ein!

Lina

Hallo, ihr da!

Hiermit melde ich mich zum letzten Mal fuer etwas mehr als drei Wochen (Nun ja, das ist ja auch sonst nichts Neues…) weil ich keinen Internetzugang mehr haben werde und muss deswegen selbstverstaendlich auch Season’s Greetings loswerden.

Ich wuensche euch allen ein besinnliches aber spassiges, nicht allzu stilles und nicht allzu vollgepacktes Weihnachtsfest mit viel gutem Essen, guten Freunden und so weiter und einen angemessenen Start ins neue Jahr, wobei ihr selbst bestimmen duerft, was angemessen ist.

Ich werde Weihnachten (wie sicher schon hunderte Male erwaehnt) bei der Familie meiner Gastmutter in Christchurch auf der Suedinsel verbringen. Wir wissen schon, dass wir Himbeeren pfluecken, Wale beobachten und selbstverstaendlich  gemeinsam Weihnachten feiern werden. Adele, meine Gastmutter,  und ich sind Anfang Januar ausserdem noch auf dem Banks Peninsula Walk und werden hoffentlich wundervolle Landschaft erleben und -natuerlich- viele viele Fotos machen. Die Fotos werden anders sein als gewoehnlich, weil meine digitale Kamera vor Kurzem aufgegeben hat und ich jetzt die analoge meiner Gastfamilie benutzen darf, was selbstverstaendlich von der Art des Fotoschiessens her etwas ganz Anderes ist.

Dezember im Sommer ist wirklich seltsam, obwohl ich wohl erst richtig begreifen werde, dass Weihnachten ist, wenn in unter dem (Plastik-) Weihnachtsbaum in Christchurch sitze.

Wir sehen bzw. lesen bzw. schreiben bzw. wirklich sehen uns im neuen Jahr!

Lina

Guten Tag!

Vor kurzem habe ich einmal wieder in den Heften, einzelnen Blaettern und all dem Muell gekramt, die bzw. der sich gerade auf meinem Schreibtisch befinden bzw. befindet (Wie bin ich denn zu diesen komplizierten Satz gekommen?), und dementsprechend ein wohlbekanntes Blatt ins Auge gefasst, dass ich von meiner Reiseorganisation bekommen habe. Es stellt die verschiedenen Stadien des Aufenthaltes da, die schwankenden Stimmungen. Auch wenn es bei mir -ehrlich gesagt- bisher so gar nicht so abgelaufen ist, habe ich beschlossen, wenigstens einem Punkt nachzugehen, der da ist „Aufzeigen der kulturellen Unterschiede“. Und das ist doch ganz praktisch, nicht wahr?

Okay, was ist ein Kiwi? Ein paar Eigenheiten, die mir so auffallen…

Neuseelaender gehoeren so lose zu Grossbritannien, benutzen die amerikanische Schreibweise bei Woertern wie neighbour bzw. neighbor, haben den Dollar als Waehrung, nennen Fussball football und soccer, haben gerade National zur fuehrenden Partei gewaehlt, sind aber sonst groesstenteils Pro Obama, besitzen so ungefaehr 10 Schafe pro Einwohner und haben den Geschmack der Briten geerbt.

Weihnachten ist weniger besinnlich als es in Deutschland vorgibt zu sein, was wahrscheinlich daran liegt, dass es im Sommer ist. Die geschmacklose Dekoration gibt es auch hier, wobei niemand auf die Idee kommt, Lichterketten zu benutzen, weil man die erst geniessen kann, wenn es dunkel ist. Und das dauert ja eine Weile.  Weihnachtsbaeume gibt es auch kaum, wenn, dann hoechtens aus Plastik. Frueher gab es die uebernommene Tradition der Weihnachtsgans und des Plumpuddings, aber irgendwann fiel es jemandem auf, dass das nicht ganz so passt und jetzt grillt man eher im Garten.

Nicht nur Weihnachten ist weniger besinnlich. Sonntag ist fuer Supermaerkte etc. ein Tag wie jeder andere auch, dafuer machen die Laeden wochentags frueher Schluss.

Einwanderer aus irgendwelchen europaeischen Laendern sind hier genauso normal wie die vielen Asiatischstaemmigen und Pasifika. Man ist an Touristen gewoehnt.

Selbstverstaendlich gibt es die Maori. Sie leben groesstenteils in „sozialen Brennpunkten“. Wie z.B. Porirua. Letztens hat mir mein Gastbruder erzaehlt, ein Junge an seiner Schule waere der Enkel des letzten offiziellen „reinbluetigen“ Maori.

Eingeschult wird jedes Kind mit 5 Jahren und die Schule beginnt im Sommer, wie in Deutschland. Nur ist es hier insofern praktisch, dass man jedem Geburtsjahr recht einfach das Schuljahr zuordnen kann. Nicht wie unsere Elfer, die ‘91 und ‘92 geboren sein koennten.

Zum Essen kann (Ich wiederhole mich) gesagt werden, dass es sehr britisch ist, auch wenn Neuseelaender selbst einige Dinge entwickelt haben wie Pavlova und Hokey Pokey Ice cream. Diese beiden Dinge sind auch so ziemlich die einzigen, die ich zu schaetzen weiss. Andere Beispiele sind naemlich Vegemite und Marmite, Brotaufstriche aus Hefeextrakten, die niemand mag ausser den Neuseelaendern selbst. Sonst gibt es selbstverstaendlich Porridge (Ich zitiere meinen deutschen Schulleiter: „Ach ja, Porridge – das, von dem die Englaender Jahrzehnte lang dachten, es sei Fruehstueck. War’s aber nicht.“), zahlreiche Puddings, salzige Butter (amuesant mit Honig) und Roastbeef. Essen ist man sowieso sehr gerne auf Toast. Es ist fast egal, was genau es ist. Ei ist noch normal, Bohnen, Pilze, Spaghetti, Weingummi, Hackfleisch, Kartoffelbrei und in Scheiben geschnittene Erdbeeren (gezuckert oder gesalzen) weniger. Zumindest fuer mich.

Sonst sind sie freundliche, offene Menschen, die sehr stolz alles praesentieren, was ihr Land so leistet und fuer die Sportneuigkeiten eine halbe Stunde ihrer taeglichen Nachrichten reserviert haben. Selbstverstaendlich handelt der Grossteil von Rugby und Cricket. Fussball hat eine kleine, durchaus respektable Rolle.

Der Kiwihumor ist nicht unbedingt zu empfehlen. Immerhin hat Polly aus meiner form class mir ziemlich am Anfang beigebracht, warum sie den Deutschen dankbar ist. Wir haben laut ihr den Sarkasmus erfunden.

Mehrere kursive Woerter spaeter faellt mir fuer heute nichts mehr ein.
Indulge. Und lernt was draus.

Lina

Ahoy!

Waere alles glatt gegangen, haetten wir jetzt vier neue Fische im Aquarium, genannt The Beatles, aber aus ungeklaerten Gruenden haben sich zwei davon ziemlich schnell verabschiedet. Die schlechten Witze, von wegen das waeren ja dann wohl John und George, haben wir schon hinter uns. Den anderen geht es trotzdem recht gut und gegen Vorlage des Kassenbons (und der eingefrorenen Leichen) bekommen wir sogar Ersatz.

Letzte Woche war ich meist krank, sodass ich den groessten Teil des Tages auf dem Sofa sitzend, Tee trinkend, lesend oder aus dem Fenster starrend verbracht habe, was uebrigens gar nicht mal so schlecht war. Eine nette Pause, aber bitte nicht mehr zu verlaengern.

Heute war ich zum ersten Mal wieder in der Schule, es ist Pruefungswoche und gestern hatte ich keine zu schreiben. Heute war ich auch nur fuer etwa dreissig Minuten da, um den einen Economics-Teil zu bearbeiten, den ich miterlebt habe. Morgen werden es dann zwei Pruefungen, vormittags und nachmittags. Da ich bei beiden wieder nur einen Teil mitschreibe, werde ich dazwischen wahrscheinlich sehr viel Zeit haben, den ich hoffentlich in meiner form class am PC verbringe, was auch immer ich da tun sollte. Mathe und Geschichte – das eine verteufelt kompliziert und das andere… nicht gerade mein Fach.

Der schon im Titel genannte Ort Nga Manu ist ein Naturreservat mit allen moeglichen einheimischen Voegeln, viel zu vielen Enten, schwarzen Schwaenen und anderthalb Meter langen Aalen, die wir bei der (uebrigens faszinierenden) Fuetterung miterlebt haben.  Ich war dort mit meiner Familie am Sonntag und u.a. im Kea-Gehege, aber -ganz entgegen anderer und meiner Erwartungen- waren diese ziemlich still. Sie sind dafuer bekannt, dass sie jeden Neuling eindringlich untersuchen und ohne Scheu losen Schmuck und Essen klauen, falls sich eine Gelegenheit ergibt.   Auch wenn sie diesmal nicht auf mir herumhuepften, eine aehnliche aber freundlichere Vogelart namens Kaka tat es. Leider war er wieder von meinem Kopf herunter, bevor meine Gastmutter ein Foto machen konnte, aber von ihr und ihrer Tochter habe ich eins.

Naechsten Samstag werde ich mit meiner Gastmutter eine Nachbarin besuchen, die wir beide nicht wirklich kennen, die aber mit einer bekannteren Nachbarin zu Besuch gekommen ist und angemeldet hat, dass auch bei ihr eine deutsche Austauschschuelerin wohnt, die aber auf die Wellington High geht. So weit, so gut.

…Und vielleicht (leider bin ich mir wirklich nicht sicher) darf ich bald einen Tag zur Farm der Familie eines anderen Nachbarn (Ja, hier hat man viel mit Nachbarn zu tun) und neugeborene Laemmer streicheln. Vielleicht helfe ich auch bei etwas anderem, das ich nicht ganz verstanden habe, dass aber aufjedenfall recht blutig und unappetitlich ablaeuft.    …Aber ich bin ja nicht sensibel! Glaube ich zumindest.

Das war der neueste Stand! Das naechste Mal werde ich versuchen, euch weiter mit Fotos zu besorgen..

Ich hoffe mal, der Sommer laesst sich bei euch noch einmal blicken… hier hat am 1. September (nur offiziell) der Fruehling angefangen.

Lina

…tja, der hat vor drei Tagen begonnen.

Jetzt sind es noch sieben. Um genau zu sein, ein Abend, fünf Tage und ein Morgen, aber das kann man getrost außer Acht lassen.

Ich habe nicht nur am Tag, an dem ich so unbedacht den Link zu dieser Seite meiner gesamten Klasse vor die Nase gehalten habe, gleich 30 Besucher bekommen (an dieser Stelle einen netten Gruß an all diejenigen, die sich von mir noch nicht haben abschrecken lassen! ^^), sondern auch seit etwas mehr als einer Woche eine Gastfamilie.

Die Fakten:

Mutter, Adele, 45, Registered Legal Executive, alleinerziehend; Tochter, Eleanor, 13; Sohn, Jeremy, 11

„eigenes großes Zimmer mit eigenem Bad“

„mit dem Bus etwa 10 Minuten zur Schule

„Interessen der Familie sind: Sport, Kino, Schwimmen, Ausflüge, Golf, Lesen, Musik“

Klingt bis jetzt ja noch ganz normal… und zumindest ich hoffe, dass es so bleibt.

Wie schon oben verlinkt, dort werde ich sein. Ein Foto hat mir meine baldige Gastmutter auch schon geschickt:

Wohngegend an der Bucht

Dass es in Riesenschritten vorwärts geht, hat mir dann heute auch ein weiterer Umschlag von AIFS gezeigt, der mein Flugticket und meine Versichertenkarte für den Aufenthalt beinhaltete. Wer meint, mich unglaublich vermissen zu werden oder sich noch ein letztes Mal davon überzeugen will, wie ich aussehe, findet sich bitte um etwa 9:30 am nächsten Montag am Düsseldorfer Flughafen ein. Na? Will niemand? Was für eine Überraschung!

Macht’s jut!

Lina

 

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