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Hallo.
Seit knapp acht Wochen bin ich jetzt schon wieder in Deutschland.
Viel ist nicht passiert. Ich bin angekommen, habe meine Freunde und Verwandte wieder gesehen, habe versucht, mich einzuleben, und alle fälligen Klausuren geschrieben. Sonst ist alles wieder wie eh und je. Und das ist das Stichwort.
Wie eigentlich schon vorausgesehen, erscheint es mir hier, als hätte sich so überhaupt gar nichts gändert. In der Schule und zuhause ist es dasselbe wie vorher, nur dass ich zwischendurch nicht dieselben Erinnerungen habe. Es ist, als wäre ich nie weggewesen, als wäre ich in eine Zeitmaschine gestiegen und hätte genau einen Tag nach meinem Abflug wieder angesetzt. Nur ist/war es hier Winter.
Neuseeland an sich ist eine sehr unwirkliche Erinnerung. Selbst das regelmäßige Schreiben mit meiner Gastfamilie und meinen Freunden dort nimmt ihr nichts von ihrem Irrealen. Ich kann mich zwar noch an sehr Vieles erinnern, aber ich weiß nicht mehr, wie es war. Bis natürlich auf die Feststellungen, dass es toll war usw. Das ist aber wohl bei allen Erinnerungen so.
Ich kann -wie sicher schon viel zu vielen Leuten viel zu häufig gesagt- jedem nur empfehlen, einmal (oder mehrere Male) nach Neuseeland zu gehen oder den Schülern unter euch, ein Auslands(halb)jahr zu machen. Auch wenn ich mich selbst nicht wirklich verändert fühle, so hat sich doch meine Sicht verändert und ich kann mir das Leben auf der anderen Seite der Erde besser vorstellen. Ich durfte eine andere Welt kennenlernen und dafür bin ich dankbar.
Ob es mir, was mein Englisch angeht, etwas gebracht hat, bin ich mir nicht wirklich sicher. Selbstverständlich werde ich jetzt flüssiger sprechen können, aber im Englischunterricht selbst komme ich mir nicht klüger vor als vorher. Und auf viele der Übersetzungsfragen meiner Mitschüler weiß ich immer noch keine Antwort, wenn auch auf weniger als vorher.
Ich freue mich trotz der (verständlichen) Alltäglichkeit Deutschlands natürlich ebenfalls, wieder hier zu sein. Zur Zeit genieße ich es manchmal noch richtig, meinen Mitmenschen beim Normal-Sein zuzusehen. Nur die Leute, die noch im Ausland sind, hinterlassen eine kleine aber bemerkbare Lücke.
Ich möchte möglichst bald wieder nach Neuseeland, das ist klar. Nach dem Abi steht jetzt aber erst einmal ein Weltwärts-Jahr an. Zumindest stelle ich mir das so vor. Dann vielleicht ein Jahr meines Studiums in Neuseeland. Und dann die Weltherrschaft. So geht das.
Im nächsten Eintrag gibt es dann auch eine (wahrscheinlich recht umfangreiche) Fotoreihe.
Und um Hildegunst von Mythenmetz zu zitieren:
Und hier fängt die Geschichte an.
Lina
Hallo!
(= Christchurch Christmas)
So. Am Montag Nachmittag bin ich wieder in Wellington eingetrudelt und nach einigen Stunden Bus- und Shuttlefahrt waren Adele und ich endlich in der Kahu Road. Naja, was heisst „endlich“? Es war zwar schoen, all das Altbekannte wiederzusehen, aber ich haette Christchurch allemal vorgezogen. Es war sehr sonnig, sehr warm, sehr gelassen, mit Himbeeren an fast jedem Tag, Wasserschlachten, draussen essen, Bekannte und Verwandte besuchen, Fotos schiessen und alles in allem so, wie man sich schoene Sommerferien vorstellt. Die Familie Keown (voriger Name meiner Gastmutter) ist sehr nett, sehr gespraechig und liebt Essen. (Achtung! Punchline!) Ich habe mich sogleich zuhause gefuehlt.
Jetzt bin ich natuerlich umso trauriger, dass ich sie verlassen musste und zumindest fuer eine lange Zeit nicht mehr sehen werde (Eleanor bemerkte einmal, ich wuerde 30 sein, wenn ihre suesse Cousine Isabella so alt ist wie ich). Jetzt graut es mir davor, wie es erst sein wird, wenn ich meine Gastfamilie verlassen muss, mit der ich immerhin ein halbes Jahr lang mein und ihr Leben geteilt habe. Adele ueberlegt schon ernsthaft, ob sie wirklich weiter Schueler aufnehmen sollte, wenn sie sich dann nach einem halben oder sogar einem ganzen Jahr verabschieden muss. Ausserdem meint sie, sie koenne doch niemals mehr jemanden bekommen, der so perfekt hier hineinpasst wie ich, aber das nehme ich mal nicht ernst.
Unter anderem waren wir auch in einem Kuestenort namens Kaikoura, der mit den (schneebedeckten!) Bergen, die sozusagen direkt an das (tuerkisblaue!) Meer angrenzen, sehr beeindruckend ist, wenn auch ein wenig zu isoliert fuer meinen Geschmack. Deswegen habe ich beschlossen, mit einem moeglichen Haus dort noch bis zu meinem Rentenalter zu warten. Ja, ich habe grosse Plaene.
Die Wanderung ueber die Banks Peninsula war klasse. Die Aussicht war umwerfend, die Behausung recht gemuetlich und zwischendurch direkt auf der Schafweide (mit soviel Bloeken braucht man keinen Wecker um morgens um Sechs aufzuwachen), das Wetter war super und … nun ja… die tatsaechliche Wanderung war recht anstrengend. Der beste Moment jedes Tages war der, in dem man sich aufs Bett fallen liess und daran dachte, was man heute alles geschafft hatte und wieviel Tolles gesehen. Eines Abends stiessen alle Mitwanderer darauf an, dass wir in ein paar Wochen die Schmerzen vollkommen vergessen haben werden, das Erlebnis nicht. Das ist schon praktisch.
Also, Leute, lauft den Banks Peninsula Walk!
Weihnachten war recht unkonventionell, wie ich das ja schon einmal beschrieben habe. Silvester habe ich nicht wirklich erlebt. Ich war um Mitternacht fuer ein paar Minuten draussen und habe Knaller gehoert. Dann bin ich schlafen gegangen.
Und das waren meine drei Wochen Christchurch. Eigentlich noch viel mehr, aber wer will das schon lesen?
Ich hoffe, ihr seid gut ins neue Jahr gerutscht. Eleanor hat mich gezwungen, zum ersten Mal in meinem Leben offizielle gute Vorsaetze aufzuschreiben, sodass sie mich fuer den Rest des Jahres kontrollieren kann. Und ihr?
So lange ist es nicht mehr hin, bis ich im Winter friere, mich die Dunkelheit deprimiert und ich alle tollen Menschen wiedersehe. Das wird spannend.
Lina
Ahoy dort draussen!
Gestern war ich in Wellington dem Hockeyspiel meines Gastbruders zusehen, Lunch bei einer Freundin der Familie essen, einen zweistuendigen Spaziergang nahe Wellington entlang des Meeres und beeindruckender Huegel machen und zwei Ersatzfische kaufen. Nach einem vollen Tag kaum zuhause angekommen, ging es auch schon weiter, zum Schulball.
Und gestern habe ich zum ersten Mal wirklich heftig gemerkt, dass ich etwas vermisse, nur ist es kein Heimweh, eher Deutschweh. So habe ich wahrend des Schulballs (oder auch Formal) am Tisch zwischen Freunden gesessen, den amuesanten Ausfuehrungen der Schuelerin gelauscht, die das alles organisiert hatte, und geglaubt, jeden Augenblick muessten die Menschen um mich herum anfangen, Deutsch zu reden. Das Ganze war so bekannt und normal, dass ich einfach mit Deutsch gerechnet und gehofft habe, dass ich ich endlich einmal alles verstehe, selbst das Gemurmel am Nebentisch. Stattdessen muss ich mich immer noch auf alles konzentrieren, wenn auch weniger als vorher.
Gestern war also dieser Formal, auf den sich alle Maedchen stundenlang vorbereitet hatten, was mir immer noch etwas sinnlos vorkommt.
Einige (auf dem Foto nicht so gut getroffene) Exemplare duerft ihr hier bewundern, wobei ich die rechts mit den ungemachten Haaren (kein Friseurbesuch vorher mehr moeglich) bin, was ihr aber unschwer erkennenduerftet:
Ein wenig verloren fuehlt man sich schon zwischen Menschen, die sich seit fuenf oder vier Jahren kennen und eine andere Sprache sprechen, aber insgesamt war das Ganze recht nett, vor allem wegen des vorzueglichen Essens (da in Vier-Sterne-Hotel). Danach ging es in anderem und wesentlich bequemeren Outfit noch zur After-Party eines Klassenkameraden, wo ich dann aus Langeweile mir von jemandem habe Boxen beibringen lassen und um etwa 4 Uhr per Taxi verschwunden bin. Beschwerden ob meines Lebensstils (hoehoe) bitte an eine andere Adresse.
Die Woche davor war kaum der Rede wert, obwohl natuerlich gut wie immer. Naechste Woche darf ich ohne Katharinas Unterstuetzung zur Schule gehen, denn ihre Gastfamilie hat sich spontan dazu entschlossen, eine Woche zu frueh in den Urlaub zu fahren. Und uebernaechste Woche, ja dann, dann sind Ferien! …wenn auch nur zwei Wochen.
Erklaerung abgeschlossen, man sieht sich!
Lina
…war nicht das, was ich erwartet hatte, aber doch recht gelungen.
Angefangen hat mein Ausflug mit stundenlangem Warten vor der Schule und stundenlangem Fahren im Van mit einigen Stops in irgendwelchen Kleinstaedten (solche, die praktisch nur aus aneinandergereihten Haeusern an einer grossen Strasse bestehen) auf dem Weg – alle in Besitz einer Tankstelle und einer Burgerking- und einer KFC-Filiale. Sehr viel Geographie haben wir nicht mitbekommen, aber bis wir zum ersten Mal einen schneebedeckten Gipfel am Horizont sahen war das Wetter schoen und die Schafe auf Unmengen von gruenen, kleinen aber steilen Huegeln am Rand der Strasse zahlreich.
Unsere Huetten waren wirklich spartanisch, wie angekuendigt, aber einige Mitreisende waren trotzdem ob der tatsaechlichen Lage ueberrascht. Und mir war es recht egal, denn der Heizstrahler brauchte nicht lange und wir waren sowieso fast nur zum Schlafen dort. Am Abend fuhr die ganze Bagage noch zu einem „Hot Pool“ in der Naehe, der nicht natuerlich, aber ziemlich (ent)spannend war. Bis wir dort ankamen, irrte unser Van noch eine Viertelstunde lang in der (wirklich nicht sehr ergiebigen, aber immerhin stockdunklen) Umgebung herum, weil Mr Huston absolut keine Ahnung hatte, wohin wir mussten, das aber erst nach etwa zehn Minuten bemerkte.
Am folgenden Tag stiegen wir um auf Plan B, weil der Berg geschlossen war, und besuchten eine Kletterwand und ein Schwimmbad. Abends dann Kino mit freier Filmwahl, wobei alle bis auf zwei den neuen Batman-Film (The Dark Knight) sahen, der uebrigens wirklich gut ist, sofern ich das beurteilen kann. Aber da alle moeglichen Kritiker (u.A. im neuseelaendischen Fernsehen) dasselbe sagen, bin ich mir einfach mal sicher.
Donnerstag -Oh Wunder- war der Berg schon wieder geschlossen und die zaghafte Ueberlegung, ob man nicht wenigstens zum Fuss fahren und ein wenig Schnee sehen koennte, wurde durch die Blizzard-Warnung und den sowieso am Parkplatz nicht vorhandenen Schnee schnell ad acta gelegt. Also beschloss man, nach Rotorua zu fahren, was mich als Tourist selbstverstaendlich freute. Das Heim der heissen Quellen. Dort fuhren wir bei seltsamerweise sehr ahnsehnlichem Wetter (die Tage davor hatte es ohne Unterbrechung geregnet) auf sogenannten Luges, einer Art lenkbaren Rodelschlitten fuer den Sommer, einen Berg oder eher grossen Huegel hinunter. Laut eines Schildes immerhin die erste Installation dieser Art auf der Welt… Und spaeter besuchten wir in Rotorua ein wirkliches Thermalbad (Polynesian Spa) mit Schwefeldaempfen und allem Drum und Dran und liessen den Abend mit Gesellschaftsspielen in geselliger Runde und im Gemeinschaftsraum ausklingen.
Der naechste Tag war durch die Rueckfahrt bestimmt, mit recht langer Pause am Gravity Canyon. Dort haette ich eigentlich die Moeglichkeit gehabt, einmal Bungee Jumping auszuprobieren, aber auch hier war durch das schlechte Wetter (und den dadurch zu stark angeschwollenen Fluss unten im Canyon) das nicht moeglich. Ich haette eine Art riesige Schaukel benutzen koennen, aber dann wollte ich doch kein Geld ausgeben.
So gesamt betrachtet bin ich also zu einem Ski-Ausflug aufgebrochen, ohne Ski zu fahren (solch einen Sturm, von dem wir selbst ja nicht einmal wirklich etwas mitbekommen haben, haette niemand vorraussehen koennen), aber habe wirklich nette Menschen aus meiner Stufe kennen gelernt, vor allem durch das Spielen von Backgammon und -auf der Rueckfahrt im Van mit einem Snowboard als Tisch- einem Kartenspiel mit dem netten Namen The President and the A***ole.
Solche Ausfluege sind wie geschaffen dafuer, irgendwen kennen zu lernen, weil man immer auf irgendeine Art und Weise mit irgendjemandem zufaellig zusammengepfercht wird. Glaube ich.
Also… I’m looking forward to going back to school tomorrow.
Lina
Guten Abend…
So geht das, so geht das… vor allem geht’s morgen los. Und so wirklich realisiert habe ich es wohl immer noch nicht.
Also dann, auf ein tolles halbes Jahr, viel zu lernen und zu begreifen und auf… die Menschen, die hier ihr Leben leben sowieso.
Ich werde sehen, wann ich mich melden und berichten kann.
Lina

