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…muss die Freiheit wohl grenzenlos sein.

Ganz soweit bin ich noch nicht. Dafuer aber bald. Soll heissen, um 20:30 geht der Flug nach Auckland, wo ich dann so eine Stunde Zeit habe und wahrscheinlich mal wieder herausfinden muss, ob ich jetzt das Gepaeck abhole und wieder aufgebe oder nicht.

„Das Gepaeck“ ist dieses Mal fast doppelt so gross und fast doppelt so schwer. Ich habe wirklich keine Ahnung, wie das zustande gekommen ist. Viele meiner aelteren Tops usw. habe ich schon meiner Gastschwester hinterlassen.

So… das Parachute Festival war grossartig und ich trage das knallpinke, glitzernde Armbaendchen noch mit Stolz. Gestern hatten wir ein BBQ und zwei meiner Freundinnen vom Aotea College sind gekommen. Ein sehr netter, unzureichender Abschluss. Es gibt wohl keine „zureichenden“ Abschluss.

Wahrscheinlich waere es jetzt an der Zeit, ueber meinen Aufenthalt mit seinen Hoehen und (nicht vorhandenen) Tiefen zu philosophieren und irgendein Fazit zu finden, aber dafuer habe ich gerade nicht die noetige Ruhe. Das muss warten, bis ich zuhause bin und Neuseeland schon unfassbar weit weg ist, physisch und psychisch.

Wie schon Ohelia angekuendigt wird’s dann auch eine „Impressionen“-Reihe mit moeglichst kuenstlerischen und moeglichst informativen Fotos geben.

Also, noch ist nicht alles vorbei! Schaltet wieder ein!

Lina

Hallo!

(= Christchurch Christmas)

So. Am Montag Nachmittag bin ich wieder in Wellington eingetrudelt und nach einigen Stunden Bus- und Shuttlefahrt waren Adele und ich endlich in der Kahu Road. Naja, was heisst „endlich“? Es war zwar schoen, all das Altbekannte wiederzusehen, aber ich haette Christchurch allemal vorgezogen. Es war sehr sonnig, sehr warm, sehr gelassen, mit Himbeeren an fast jedem Tag, Wasserschlachten, draussen essen, Bekannte und Verwandte besuchen, Fotos schiessen und alles in allem so, wie man sich schoene Sommerferien vorstellt. Die Familie Keown (voriger Name meiner Gastmutter) ist sehr nett, sehr gespraechig und liebt Essen. (Achtung! Punchline!) Ich habe mich sogleich zuhause gefuehlt.

Jetzt bin ich natuerlich umso trauriger, dass ich sie verlassen musste und zumindest fuer eine lange Zeit nicht mehr sehen werde (Eleanor bemerkte einmal, ich wuerde 30 sein, wenn ihre suesse Cousine Isabella so alt ist wie ich). Jetzt graut es mir davor, wie es erst sein wird, wenn ich meine Gastfamilie verlassen muss, mit der ich immerhin ein halbes Jahr lang mein und ihr Leben  geteilt habe. Adele ueberlegt schon ernsthaft, ob sie wirklich weiter Schueler aufnehmen sollte, wenn sie sich dann nach einem halben oder sogar einem ganzen Jahr verabschieden muss. Ausserdem meint sie, sie koenne doch niemals mehr jemanden bekommen, der so perfekt hier hineinpasst wie ich, aber das nehme ich mal nicht ernst.

Unter anderem waren wir auch in einem Kuestenort namens Kaikoura, der mit den (schneebedeckten!) Bergen, die sozusagen direkt an das (tuerkisblaue!) Meer angrenzen, sehr beeindruckend ist, wenn auch ein wenig zu isoliert fuer meinen Geschmack. Deswegen habe ich beschlossen, mit einem moeglichen Haus dort noch bis zu meinem Rentenalter zu warten. Ja, ich habe grosse Plaene.

Die Wanderung ueber die Banks Peninsula war klasse. Die Aussicht war umwerfend, die Behausung recht gemuetlich und zwischendurch direkt auf der Schafweide (mit soviel Bloeken braucht man keinen Wecker um morgens um Sechs aufzuwachen), das Wetter war super und … nun ja… die tatsaechliche Wanderung war recht anstrengend.  Der beste Moment jedes Tages war der, in dem man sich aufs Bett fallen liess und daran dachte, was man heute alles geschafft hatte und wieviel Tolles gesehen. Eines Abends stiessen alle Mitwanderer darauf an, dass wir in ein paar Wochen die Schmerzen vollkommen vergessen haben werden, das Erlebnis nicht. Das ist schon praktisch.

Also, Leute, lauft den Banks Peninsula Walk!

Weihnachten war recht unkonventionell, wie ich das ja schon einmal beschrieben habe. Silvester habe ich nicht wirklich erlebt. Ich war um Mitternacht fuer ein paar Minuten draussen und habe Knaller gehoert. Dann bin ich schlafen gegangen.

Und das waren meine drei Wochen Christchurch. Eigentlich noch viel mehr, aber wer will das schon lesen?

Ich hoffe, ihr seid gut ins neue Jahr gerutscht. Eleanor hat mich gezwungen, zum ersten Mal in meinem Leben offizielle gute Vorsaetze aufzuschreiben, sodass sie mich fuer den Rest des Jahres kontrollieren kann. Und ihr?

So lange ist es nicht mehr hin, bis ich im Winter friere, mich die Dunkelheit deprimiert und ich alle tollen Menschen wiedersehe. Das wird spannend.

Lina