Guten Tag.
Nein, das tut sie nicht wirklich. Zumindest denke ich das. Nur war das ein beliebter Spruch den ich den Zwoelftklaesslern auf ihr Uniformshemd geschrieben habe. Der letzte Tag vor den Termferien war naemlich auch der letzte Tag, an dem sie ihre Uniform tragen mussten und so kamen ein paar auf die Idee, Unterschriften auf ihnen zu sammeln. Deutsch und Finnisch, die Sprachen der Austauschschueler, die ich so kenne, waren natuerlich sehr beliebt.
So, es sind also Ferien, schon deren zweite und letzte Woche und ich habe bisher Einiges getan, u.A. das Inlet umrundet, was immern auf so 10 km Umfang kommt und ein weiteres Naturreservat besucht, dass erheblich weiter entfernt ist, dafuer einen recht spannenden Hinweg hat (Es gibt nur eine einzige Strasse und die fuehrt ueber KIlometer auf und an steilen Bergwaenden entlang. Wenn ein Unfall passiert, denn dort ist es haeufig sehr neblig, faehrt man einen stundenlangen Umweg oder wartet stundenlang im Stau.. Nimmt sich nicht viel) und ungefaehr dieselbe Flora und Fauna bietet, nur besser und zahlreicher. Ich werde sehen, dass ich bald Fotos auftreibe.
Und was waere ein besserer Zeitpunkt als die Ferien, um mal ein wenig ins Detail zu gehen und meinen normalen Schulalltag hier zu beschreiben? — Das ist uebrigens eine rhetorische Frage. Danke.
Erstaunlicherweise quaele ich mich jeden Morgen richtig, um aus dem Bett zu kommen, obwohl das hier spaeter ist als zuhause. Um etwa 7 Uhr oder auch mal 7:30 stehe ich auf und schalte prompt meinen Heizstrahler aus, denn von da an bin ich fuer den Rest des Tages kaum noch in meinem Zimmer. Ich dusche oder auch nicht, wobei ich bei Ersterem nach dem Anschalten drei bis fuenf Minuten warten muss bis die Temperatur ertragbar ist. Ausserdem bin ich die Einzige im Haus, die einen Haartrockner benutzt. Wenn ich nach einer Weile von meinem Zimmer direkt neben der Garage die Treppe in den restlichen Wohnbereich hinaufgehe, sind Jeremy und Adele, meine Gastmutter, meist schon in der Kueche und beim Essen. Wenn nicht und wenn ich Hunger auf Porridge zum Fruehstueck habe, was fast jeden Tag so ist, frage ich beide, ob sie auch etwas haben wollen. Meistens heisst die Antwort Nein. Irgendwann und eigentlich viel zu spaet, d.h. so um fuenf nach 8, kommt dann auch Eleanor und zeigt sich jedes Mal begeistert, dass wir ihr die Aufgabe ueberlassen haben, das Licht im Aquarium anzuschalten und die Fische zu fuettern. Es kommt nicht selten vor, dass sie solange vorm Aquarium sitzt, bis wir so um Viertel nach Acht zum Aufbruch blasen und kein Fruehstueck ist.
Spaetestens um Zwanzig nach sitzen wir alle im Auto und Adele faehrt Eleanor und mich den halben Weg zur Schule. Wenn es stark regnet und sie gnaedig ist auch ein bisschen weiter. Dann faehrt sie zurueck, setzt Jeremy an seiner Schule ab, ueberquert die Kreuzung und steigt um Halb Neun in den Zug nach Wellington zur Arbeit. Eleanor und ich kommen ziemlich genau zu Schulbeginn an, der da ist um 8:45. Ich habe zum Beispiel am Montag nach den Ferien als erste Stunde (und Stunde heisst hier wirklich Stunde) Mathe, wo ich versuche, nicht einzuschlafen und gleichzeitig alle Aufgaben im Buch schnell genug zu erledigen und zu korrigieren, damit der Lehrer nicht auf die Idee kommt, mir irgendetwas erklaeren zu wollen. Das tut er naemlich gerne, auch wenn ich es richtig gemacht habe. Die Tatsache, dass ich Mathe in der ersten Stunde habe, heisst ausserdem, dass bequemerweise Englisch das Fach ist, das es an diesem Tag nicht gibt. Wie schon einmal erwaehnt: Es gibt sechs Faecher, fuenf Stunden jeden Tag und alles rueckt taeglich eine Stunde nach hinten.
Nach zwei Stunden gibt es das Interval, das ungefaehr eine halbe Stunde dauert, und nach der vierten die Lunch time. In beiden Pausen treffe ich mich mit anderen in einem der Kunstraeume und esse und quatsche. Nach Lunch time haben wir ausserdem zwanzig Minuten Form class bevor die naechste Stunde anfaengt. Wir sollten dann eigentlich irgendwelche wichtigen Ereignisse besprechen, aber die gibt es so gut wie nie, also nutzt die gesamte Klasse einfach die Vielzahl an PCs. Drei besondere davon werden immer gleich zu Anfang belegt, weil auf ihnen Ego-Shooter installiert sind.
Nach Ende der letzten Stunde beeile ich mich, wie fast die gesamte Schule, so bald wie moeglich zur Schulbushaltestelle zu kommen und noch einen Sitzplatz zu finden. Die Schule endet um 3:20, um kurz nach Halb bin ich zuhause und suche mir eine Banane oder ein Kaesesandwich um meinen Magen ein wenig zu fuellen. Meine Lunchbox ist naemlich schon nach dem Interval leer. Um 4 oder manchmal auch um 6 kommt meine Gastmutter nach hause. In der Zwischenzeit lassen wir Frodo herein, lese ich, spiele Karten oder sehe mit meinen Gastgeschwistern fern. Wenn Adele da ist, tun wir so ziemlich dasselbe, nur ist dann noch eine Person in der Kueche da, die eifrig fuer den Tea ,oder meinetwegen auch Dinner genannt, werkelt.
Nachdem wir gegessen habe, gehe ich nach unten in mein Zimmer, mache die Heizung gemeinsam mit meinem elctric blanket wieder an und renne schnell wieder nach oben, zurueck in die Waerme. Gemeinsam sehen wir die Nachrichten und trinken Kakao, der hier nur nach der Marke Milo genannt wird. Wir erzaehlen uns gegenseitig, wie unsere Tage so waren, was uns Lustiges in den Werbespots auffaellt und noch irgendetwas, bis wir dann alle muede werden, meist so um halb Zehn, und den gerade noch gemuetlich im Kissen schnurrenden Kater in die Kaelte hinausschmeissen. Wenn ich dann ins Bett gehe, ist mein Zimmer einigermassen angenehm, ist es unter der Bettdecke warm, schreibe ich vielleicht noch eine Postkarte und schlafe immer recht schnell ein, um dann am naechsten Morgen trotzdem wieder muede zu sein.
War das etwa langweilig? (:
Lina

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April 2, 2009 um 20:57
Impressionen 1 « Muffin goes New Zealand
[...] Kilometerlange, einspurige Bergstraße. Oft neblig. [...]